Rund 100 Gäste kamen zum Themenabend über jüdisches Leben, Erinnerungskultur und Verantwortung im Sport zusammen.
Wie kann der Sport Erinnerung lebendig halten und daraus Verantwortung für die Gegenwart ableiten? Dieser Frage widmeten sich am gestrigen Mittwochabend rund 100 Gäste auf dem Makkabi Campus in Frankfurt. Zusammen1 Hessen, MAKKABI Deutschland und TuS Makkabi Frankfurt eröffneten dort gemeinsam zwei neue Bildungsangebote: den interaktiven Escape Room „Fixing The Boat – Finding Identity“ und die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“.
Mit Blick auf das bevorstehende Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 rückte der Themenabend die Frage in den Mittelpunkt, welche Rolle Sportvereine und -verbände für Erinnerungskultur und den Umgang mit Antisemitismus heute übernehmen können. In einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Erinnerungskultur im Sport – Verantwortung für das Hier und Jetzt“ diskutierten Expert*innen aus Sport, Geschichte und politischer Bildung über historische Verantwortung, jüdisches Leben im Sport und die Bedeutung zeitgemäßer Bildungsarbeit.
Makkabi-Präsident Alon Meyer zeigt sich stolz: „Der Makkabi Campus ist das Zuhause des größten jüdischen Sportvereins in Deutschland. Aber hier geht es nicht nur um Training und Wettkampf. Hier wird jüdisches Leben sichtbar, hier begegnen sich Menschen und hier lernen wir über jüdische Identität, unsere Geschichte und Antisemitismus. Genau das macht diesen Ort für mich aus: Wir verstecken uns nicht, sondern schaffen einen Raum, in dem jüdisches Leben selbstverständlich, offen und selbstbewusst im Herzen Frankfurts stattfinden kann.“
Jüdisches Leben spielerisch entdecken
Mit „Fixing The Boat – Finding Identity“ ist bis zum 17. Dezember ein von SABRA – Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf – entwickeltes Bildungsformat auf dem Campus zu Gast. In einem rätselhaften Boot müssen die Spielenden gemeinsam eine Mission lösen. Dabei begegnen ihnen unterschiedliche Aspekte jüdischen Lebens und vielfältiger jüdischer Identitäten.
„Spielerisch erleben Teilnehmende die Vielfalt moderner jüdischer Identitäten, tauchen in die Welt jüdischen Lebens ein und erfahren hautnah die Traditionen des Judentums. Von Rezepten über Feiertagsgegenstände bis hin zur jüdischen Geschichte: In der Kapitänskajüte warten die unterschiedlichsten Informationen darauf, entdeckt zu werden“, sagte Navina Verheyen, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei SABRA.
An das gemeinsame Spiel schließt eine pädagogische Reflexion an, in der die Erfahrungen aus dem Escape Room aufgegriffen und vertieft werden. Dabei geht es unter anderem um Identität, Vorurteile, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das eigene Handeln. „Wenn die Spielenden Fragen mitnehmen, dann haben wir schon gewonnen“, sagte Rina Rosenberg, Kreativkoordinatorin in der Bildungsarbeit bei SABRA.
Der Escape Room kann kostenfrei über die Vereinswebseite von Gruppen ab 16 Jahren gebucht werden und richtet sich unter anderem an Schulklassen, Vereine, Jugendgruppen und Sportteams gebucht werden.
Jüdische Sportgeschichte zwischen Erfolg und Verfolgung
Einen historischen Zugang eröffnet die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“. Anhand großformatiger Präsentationen erzählt sie von jüdischen Sportler*innen, die zu den erfolgreichsten und bekanntesten Athlet*innen ihrer Zeit gehörten und den modernen Sport in Deutschland entscheidend mitprägten. Zugleich dokumentiert sie ihre Ausgrenzung, Entrechtung, Vertreibung und Ermordung während des Nationalsozialismus.
Im Anschluss an das offizielle Programm führte Ausstellungskurator Prof. Dr. Lorenz Peiffer die Gäste durch die Ausstellung und gab vertiefende Einblicke in die dargestellten Biografien. Er erklärte: „Die Biografien der jüdischen Sportler*innen in dieser Ausstellung zeigen sehr deutlich: Sport kann Menschen zusammenführen, aber leider aber auch ebenso ausgrenzen. Auch im Sport müssen wir bereit sein, einander zu begegnen und andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind – mit ihren unterschiedlichen Identitäten und Eigenheiten. Nichts davon ist ein Selbstläufer. Es ist an uns den Sport so zu gestalten – auch dazu mahnen uns die gezeigten Lebensgeschichten.“
Bildungsangebote bleiben bis Dezember auf dem Campus
Beide Angebote können auch nach dem Eröffnungsabend bis zum 17. Dezember 2026 auf dem Makkabi Campus besucht werden.
Die Umsetzung des Escape Rooms auf dem Makkabi Campus wird über das von der Deutschen Sportjugend betreute Bundesprogramm gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport ermöglicht. Das Projekt wird vom Bundeskanzleramt aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Die Ausstellung des Zentrums deutsche Sportgeschichte e. V. wird von der DFB-Kulturstiftung, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Staatsminister für Sport und Ehrenamt gefördert. Vielen Dank für die Unterstützung!
Bilder: Noel Dodel






